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Königssbrücker Aussbildungsstätte gGmbH

Überbetrieblich, praktisch, authentisch: Aus- und Weiterbildung in der Wachstumsregion Dresden

Die heutige Königsbrücker Ausbildungsstätte gGmbH (KAS) wurde im Jahr 1885 als Emaillier- und Stanzwerk gegründet. In der jungen DDR wurde das Unternehmen enteignet und zum VEB umgebaut, in dem Kochanlagen und Öfen produziert wurden. 1952 folgte die Gründung einer Berufsschule, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. In den 1960er Jahren baute man diese zur überbetrieblichen Ausbildungsstätte aus: Kooperierende Betriebe entsandten ihre Lehrlinge zur praktischen Ausbildung ins Königsbrücker Werk. Daran änderte sich auch in der turbulenten Nachwendezeit nichts und so kann die KAS, mittlerweile im 71. Jahr, auf eine lange Tradition und einen gewachsenen Erfahrungsschatz zurückblicken.

„In der Halle fängt es an“

Nach wie vor kümmert sich die KAS um die Ausbildung von Azubis, in enger Abstimmung mit den regionalen Betrieben. Die Stadt Königsbrück liegt zentral in der Wachstumsregion – Die meisten der Unternehmen sitzen in der Nähe. „Die Auszubildenden können hier die Dinge lernen, die in den Unternehmen nicht gelehrt werden können oder für die im Alltagsgeschäft schlicht die Zeit fehlt. In der Halle fängt es an“, sagt Geschäftsführer Thomas Schwab und präsentiert die Werkbänke in der großen Werkhalle, an denen zunächst das Feilen und Bohren geübt wird. Dann geht es weiter zu den CNC-Maschinen, über die Dreh- und Fräsmaschinen bis hin zu einer Schneidemaschine, die mit Wasserstrahl arbeitet. Ein Chemnitzer Unternehmen baute diese eigens für die KAS. Unseren Rundgang beenden wir an einer Laserschneidanlage und einer CNC-Kantbank – die Ausbildungsstätte ist umfassend ausgerüstet.

Die Ausbildung ist praktisch, betont Schwab. In der Ausbildungsstätte wird nicht nur so getan als ob – hier werden Aufträge bearbeitet. Neben Ausbildung, Umschulungen und Weiterbildung bildet die Fertigung ein wichtiges Standbein der gGmbH. Auch in den Seminarräumen ist die Ausbildung praxisnah: Die Auszubildenden arbeiten an Industriekomponenten – das motiviert.

Die KAS bietet auch Aus- und Weiterbildungen für Erwachsene an. Zu den Angeboten zählen Schweißerlehrgänge, aber auch der Umgang mit CNC und CAD kann hier erlernt werden. Arbeitssuchende können sich qualifizieren oder umschulen lassen. Schwab schätzt die älteren Teilnehmer, die nicht selten besonders engagiert auftreten. Da sie in die Lehrlingsgruppen integriert werden, können die Jüngeren von ihren Erfahrungen profitieren.

Kunst aus Metall

Die Ausbildung in der KAS ist praktisch, intensiv und vor allem eines: Authentisch. So profitieren die Azubis auch davon, dass der Ausbilder Frank Findeisen seinen künstlerischen Interessen nachgeht und diese in die Arbeit in der Ausbildungsstätte einbringt: Hier wird nicht nur an Produkten, sondern auch an Skulpturen geschweißt. Auf einer Karte der Wachstumsregion könnte man zahlreiche Standorte abstecken, an denen die Werke stehen. Beispiele sind die Skulptur „Durch die Wand“ in der Nähe der Studentenwohnheime an der Dresdner Wundtstraße, eine überdimensionierte Nähmaschine der Textilienfirma F.W. Kunath in Bretnig oder die 4,5 Tonnen wiegende Skulptur „Schrotti“ des Schrottplatzes Pesteritz in Laußnitz.

In der Königsbrücker Galerie des Künstlers sind zahlreiche Werke und Fotos der Auftragswerke ausgestellt. Selbstverständlich ist auch die Visitenkarte Findeisens aus Metall. Inspiriert vom langjährigen Kontakt mit dem seit den 1990er Jahren in Königsbrück lebenden Keramikkünstler Rudolf Sitte, setzt sich Frank Findeisen in seinen Skulpturen mit dem gesellschaftlichen und politischen Wandel nach der Wiedervereinigung auseinander. In seiner Galerie organisiert er „Ateliergespräche“, Als Besucher waren schon prominente sächsische Landespolitiker wie Stanislav Tillich oder Heinz Eggert zugegen. Zu den Gesprächsrunden kommen auch Azubis. Findeisen ist es wichtig, sich mit ihnen über Politik auszutauschen. Mit den nachfolgenden Generationen im Gespräch zu bleiben, auch über das Berufliche hinaus, wird in der KAS großgeschrieben.

Interview und Text: Benedikt Oelmann