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Robert Böhme

Das alles ist Heimat

Robert Böhme weiß: Heimat ist mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte. Sie ist eine ganze Region mit ihrem Netzwerk aus Erinnerungen und Möglichkeiten.

Im Oktober 2021 zog der Stadtmarketing-Spezialist mit seiner Familie wieder in seine Heimatregion nach Wiednitz (Bernsdorf) bei Hoyerswerda. Beruflich schaut er auf erfolgreiche Jahre in Pirna zurück und der Zukunft in Hoyerswerda vielversprechend entgegen. Böhme hat seine Wurzeln in der Wachstumsregion Dresden. Er ist in Hoyerswerda geboren, in Kamenz besuchte er das Gymnasium. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter studierte er an der TU Dresden Kommunikations- und Politikwissenschaften. Schon während des Studiums war er im Bereich der Pressearbeit für den damaligen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich tätig. Berufliche Perspektiven in Eberswalde sorgten dafür, dass Böhme mit seiner Partnerin zunächst in Brandenburg sesshaft wurde. Anfangs arbeitete er dort in der Redaktion des „Eberswalder Blitz“, anschließend fand er in der Stadtverwaltung zu seiner Berufung im Stadtmarketing. Die Arbeit in dem kleinen und jungen Team gefiel Böhme gut, denn die Marketingarbeit ging weit über das Werben hinaus. Erfolgreiches Stadtmarketing mitsamt Wirtschaftsförderung und Tourismusmanagement benötigen auch gute Kommunikation, Kreativität und vor allem viel Herzblut.

Eine Rückkehr in zwei Schritten

Mit der Geburt des ersten Sohnes wuchs das Bedürfnis der jungen Familie, wieder näher in Richtung Heimat zu ziehen. 2016 fiel der Entschluss nach Pirna zu gehen mit dem Jobangebot als Projektleiter für das Stadtmarketing. Der Rückzug nach Sachsen fühlte sich nicht wie ein Zurückkommen, sondern eher wie ein „wieder näher an die Heimat herankommen“ an. Pirna war neu und von Hoyerswerda weit entfernt. Trotzdem waren Geschwister und Eltern nah genug, um die frischgebackenen Eltern zu unterstützen.

In Pirna machte sich Robert Böhme schnell Rang und Namen. Seine kreative Ader konnte er in der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna voll und ganz ausleben. Schnell wurde er Vorsitzender des Citymanagements. Er habe viel gelernt, auch über sich selbst, sagt er, und vor allem darüber, wie wichtig Kommunikation, Netzwerk und Strategie in seinem Job sind. Auch sorgte er in Pirna für eine funktionierende Verzahnung der Aspekte Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Ansiedlungsmanagement der Innenstadt sowie Fördermittelakquise. Durch kreative, innovative und für kleinere Städte ungewöhnliche Projekte wie zum Beispiel einen Podcast und einen Videoblog konnte Böhme nicht nur schnell das Vertrauen des Oberbürgermeisters gewinnen, sondern auch zahlreiche Preise abräumen. Beim Landeswettbewerb für kreative Stadtentwicklung „Ab in die Mitte“ wurde die Kreativität Böhmes und seiner Kolleginnen und Kollegen ebenso ausgezeichnet wie beim diesjährigen sächsischen Innovationswettbewerb Tourismus "Sachsen geht weiter". 2019 und 2020 schaffte er es mit zwei Stadtmarketing-Projekten sogar bis ins Finale um den Dresdner Marketing-Preis. Diese Werbemaßnahmen zählten somit zu den besten im IHK-Kammerbezirk Dresden.

Ein lachendes, ein weinendes Auge: Die Rückkehr

Robert Böhme gefiel es, als kreativer Gestalter in Pirna tätig zu sein. Doch gesundheitliche Aspekte in der Familie waren der Auslöser für eine Neuorientierung in die Heimat, um das familiäre Unterstützungsnetzwerk auch örtlich wieder vollends zusammenzubringen. In Pirna wird er vermisst, man bot Böhme eine Homeoffice-orientierte Lösung an, die er dankend ablehnte. Langfristiges Homeoffice funktioniert für den handlungsorientierten Netzwerker auf Dauer nicht, der sich vollkommen auf seine neue und alte Umgebung einlassen möchte. Was Pirnas Verlust ist, wird nun zu Hoyerswerdas Gewinn. Robert Böhme wohnt jetzt mit seiner Familie übergangsweise bei seinen Eltern in Wiednitz und arbeitet bei der Stadt Hoyerswerda, die seit diesem Jahr im Netzwerk der Wachstumsregion Dresden mitwirkt, in der Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit. Dort kann er voll in seiner Rolle als Vernetzer aufgehen und freut sich auf die Chancen, die der Strukturwandel mit sich bringt.

Strukturwandel: Auf den rollenden Zug aufspringen

Robert Böhme blickt auf seine Heimatregion und stellt fest, dass durch den Strukturwandel „unglaublich viel in Bewegung“ ist. Die Möglichkeiten, die bestehen und sich immer weiter ergeben werden, reizen ihn. Die bereits vorhandenen und stetig wachsenden Netzwerke überzeugen ihn: „Wir stecken in einem echt spannenden Prozess, den es so schon lange nicht mehr gab.“ Es bestehe eine Kultur des Mitmachens, es gebe Raum zum Entfalten. Besonders viel Raum existiere unter anderem auch für die Kreativwirtschaft, also nicht nur für die Kunst, sondern auch die Architektur-, die IT-Branche und viele weitere. Der Strukturwandel sorge dafür, dass einzelne Unternehmen keine Pionierarbeit mehr leisten müssen, sondern auf den rollenden Zug aufspringen können.

Nicht nur beruflich, sondern auch privat freut sich der Lausitzer auf seine Zukunft in der Region. Da sind zum einen bezahlbares Bauland und viel Platz im Grünen. Das Lausitzer Seenland sieht er nicht nur als touristischen Faktor, sondern auch als Naherholungsgebiet. Für seinen Nachwuchs freut er sich über ausreichend Kita-Plätze und ein gutes Schulangebot. Aber auch die Menschen in der Lausitz mitsamt ihrer anpackenden Art und Weise sorgen für ein gutes Wiederankommen.

Netzwerke: „Es geht nur zusammen.“

In der Region ist das Vorhandensein von Arbeitsplätzen für Menschen verschiedenster Qualifikationen das A und O, um die Region weiter attraktiv zu gestalten und demografischen Herausforderungen entgegenzutreten. Gerade deshalb freut sich Böhme auf seine Tätigkeit in der Stadtverwaltung Hoyerswerda. Seine Herausforderung wird sein, Ängste bezüglich des Strukturwandels zu nehmen und Chancen aufzuzeigen. Unter anderem dafür arbeitet er bereits an einem Kommunikationskonzept. Er freut sich, dass er seine Erfahrungen aus Pirna nun nach Hoyerswerda tragen kann. Er sieht die beiden Städte nicht in einer Konkurrenz, vielmehr als vernetzte Partner, denn „es geht nur zusammen, wenn man wirklich eine Schlagkraft entwickeln will“.

Interview und Text: Nora Kamp