Das Heimweh war stärker

 
Vor einem Vierteljahr kehrte die 55-jährige Claudia Prall aus Rheinland-Pfalz nach Kamenz zurück. Eine Wohnung und eine Arbeit zu haben, war Voraussetzung für die Rückkehr.
Grund war ein anderer - das Weh nach der Heimat.


Der Samstagmorgen zeigt sich von seiner freundlichen Seite. In gemütlichem Schlenderschritt spaziert Claudia Prall an St. Annen vorbei, der großen Klosterkirche mit den sakralen Kunstschätzen und Wahrzeichen ihrer neuen Heimat. 
Die kleine Frau mit den Lachfältchen und dem frechen Kurzhaarschnitt ist vor einem reichlichen Vierteljahr aus Hachenburg in Rheinland-Pfalz in die Lessingstadt gezogen. „Heimweh war es“, sagt sie.
 
In die alten Bundesländer ist sie wegen der Arbeit gegangen. Es waren die Perspektiven von Arbeit, gutem Einkommen und Wohlstand. Zudem wollte sie ihren Kindern die besten Startmöglichkeiten fürs Leben bieten. Vier Jungs hat Claudia Prall im „Westen“ groß gezogen.
Immer wieder besuchte sie die Familien von Bruder und Schwester, die ebenfalls im Landkreis Bautzen leben. „Solange die Kinder klein waren, war an eine Rückkehr nicht zu denken,“ sagt die 55-Jährige. „Die Kinder waren in Schule und Freundeskreis gebunden, da wollte ich nicht eingreifen.“ Ihre Jungs wurden größer, begannen Ausbildung und Studium und starteten ins Berufsleben. Die Bleibegründe wurden weniger und die Sehnsucht der Mutter nach der Heimat wuchs. Während eines Besuchs bei der Familie des Bruders im Herbst 2011 reifte der Entschluss: „Ich will zurück“.
Vom ersten Gedanken bis zum endgültigen Umzug sollten noch fünf Jahre vergehen. „Selbst mit dem größten Heimweh ist es ein gewaltiger Schritt“, denkt Claudia Prall an die Zeit der Rückkehrplanung. Für Claudia Prall war wichtig, dass sie direkt nach dem Umzug einem Job nachgehen kann und eine Wohnung hat. Bei der Familie unterzukommen, kam für sie nicht in Frage. Die gelernte Maschinenbauzeichnerin und Bürokauffrau fand mit Hilfe der Agentur für Arbeit einen Job bei einem Unternehmen in Pulsnitz.
 
Die SWG Kamenz unterstützte bei der Wohnungssuche. Als die Kinder das „O.K.“ gaben, unterschrieb Claudia Prall auch den Mietvertrag.
 
Wenn man Claudia Prall fragt, was sie an der Region schätzt, leuchten ihre Augen: „Es mag vielleicht albern klingen, aber jeder Tag ist für mich wie ein kleiner Urlaub. Die Gegend ist so wunderbar. Die Menschen schauen aufeinander, es ist nicht so furchtbar anonym. Es herrscht eine Freundlichkeit und Herzlichkeit, die ich aus den Alten Bundesländern so nicht kenne. Ich habe meinen Entschluss keine Minute bereut.“
 
Das Projektbüro der Wachstumsregion Dresden war Claudia Prall bei den vielen Fragen rund um ihre Rückkehr eine enorme Hilfe. „Es ist gut und immens hilfreich, einen regionalen „Insider“ als Ansprechpartner zu haben.“ schildert sie begeistert die gute Unterstützung seitens der Region.
 
Wünsche für die Zukunft hat sie viele. Besonders gerne würde sie sich ehrenamtlich engagieren, am liebsten im sozialen Bereich und sie hat den Traum, dass einer ihrer Söhne, der gerade sein Studium beendet hat, gemeinsam mit seiner Freundin in die Wachstumsregion Dresden nachkommt – „So wunderbar wie es hier ist, hoffe ich, dass er sich dafür entscheidet. Dann hat die Wachstumsregion wieder eine junge Familie mehr“, sagt sie und wuschelt sich durch ihr kurzes Haar.
 
 
Das Interview führte Kristina Kroemke

Wachstumsregion Dresden
Das Projekt „Ab in die Wachstumsregion Dresden!“ wird mit Mitteln des Freistaates Sachsen nach der Förderrichtlinie FR-Regio des Staatsministerium des Innern gefördert.