Familie unter Strom


Das Unternehmen Liofit aus Kamenz steht stellvertretend für den Trend hin zur Elektromobilität. Für Dr. Ralf Günther, Geschäftsführer, stehen dabei drei Dinge im Vordergrund: die Wiederaufbereitung alter Akkus, die Entwicklung eigener Technologien und eine „familiäre“ Unternehmensführung. Eine Strategie, welche das Unternehmen auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten am „Akku-Standort“ Kamenz erfolgreich halten soll.


  













Die Nordstraße, Hausnummer 57, in Kamenz. Der Blick fällt auf einen großen Tisch. Hört man nur auf die Stimmen, könnte man denken, man lauscht den Gesprächen einer großen Familie. Schaut man sich aber um, entdeckt man hochmoderne Technik. Man steht in einer großen Halle und ist umgeben von Computern, Lötstationen und dem zentralen Bestandteil der Arbeit des Kamenzer Unternehmens Liofit: Akkus für E-Bikes. Für Geschäftsführer Dr. Ralf Günther ist vor allem der Mitarbeiterzusammenhalt, das Umfeld der täglichen Arbeit, wichtig. „Ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen hier, quasi im Zentrum unserer Arbeit, gibt es jeden Tag.“ sagt Günther, der genauso mit am Tisch sitzt. Sein Schreibtisch steht nur 10 Meter entfernt, in der gleichen Halle, in der alle Mitarbeiter tag täglich an der modernsten Akku-Technik für Elektrofahrräder arbeiten. Und Arbeit haben sie genug.


Stetig bergauf


Gegründet im Jahr 2013, seit 2015 am jetzigen Standort, stiegen die Nachfrage und entsprechend die Absatzzahlen des Unternehmens jedes Jahr aufs Neue. Mit einem Wachstum von gut 80% im Vergleich zum Vorjahr blickt Ralf Günther auf das erfolgreichste Geschäftsjahr seit Bestehen des Unternehmens zurück. „Wir konzentrieren uns auf die Wiederaufbereitung von alten Akkus, arbeiten aber auch an eigenen Akkus samt moderner Platinen- und Schutztechnik.“ Und das gelingt dem Unternehmen ohne eigenen Vertrieb. Die beiden Standbeine, Aufbereitung und Eigenentwicklung, sollen auch zukünftig die Arbeit bei Liofit bestimmt. Dafür gibt es beispielsweise einen 3D-Drucker, um eigene Prototypen einfacher herstellen zu können. Die steigenden Absätze bedeuten aber auch, dass sich das Unternehmen in absehbarer Zeit vergrößern muss. „Eine Erweiterung ist für die nächsten Jahre angedacht, auch die Stadt Kamenz unterstützt uns in diesem Zusammenhang sehr.“, erklärt Günther. Und natürlich braucht das Unternehmen auch neue Mitarbeiter. Für Anfang dieses Jahres wird bereits wieder Ausschau gehalten.


Zukunft sichern


Mit einer Ausnahme kommen alle derzeitigen Mitarbeiter des Unternehmens aus der Region. Dabei ist es gar nicht so einfach, vor allem Nachwuchs auf dem Markt zu finden. „Das Thema Akkutechnolgie gibt es in dem Sinne noch nicht als Ausbildungsberuf. Deshalb machen viele ihr Hobby zum Beruf.“ Das aber auch das funktioniert, zeigt Liofit auf beindruckende Weise. Die geringe Fluktuation im Unternehmen begründet sich sicherlich auch auf dem schon angesprochenen Betriebsklima. Die flachen Unternehmenshierarchien, die unaufgeregte Zusammenarbeit oder auch ein Prämiensystem, durch welches die Mitarbeiter an der Umsatzentwicklung beteiligt werden, sind Grundprinzipien bei Liofit. Die Zukunft des Unternehmens sieht Ralf Günther dabei in der Familie. Sein Sohn, der bereits mit beschäftigt ist und die Bereiche Entwicklung und Marketing verantwortet, wäre seine erste Wahl. 


„Akku-Stadt-Kamenz“


Die große Chance Liofits ist vor allem das Umfeld von Kamenz. „Das Thema Akkutechnologien hat hier einen großen Stellenwert. So kann man mit anderen Unternehmen den gesamten Wirtschaftszweig weiterbringen.“, erläutert der Geschäftsführer. Dabei denkt er vor allem an das Recycling alter Akkus, was in den kommenden Jahren ein zunehmender Faktor werden wird. Durch die Zusammenarbeit mit der Wachstumsregion Dresden erhofft sich Liofit eine noch größere Präsenz in der Region. Auch durch die Konkurrenzsituation aus nächster Nähe. Doch Ralf Günther versteht dies auch als Chance. „Akku-Stadt-Kamenz, das hat auch einen besonderen Klang!“, ergänzt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

In Familie


Die Gespräche in der Halle werden leiser. Wie in jeder großen Familie gehen alle nach dem Essen ihre eigenen Wege und leisten ihren Teil für die Zukunft der Elektromobilität. So lang, bis wieder die Zeit gekommen ist, sich zusammenzusetzen und für eine halbe Stunde „zu Hause“ zu sein. Zu Hause bei Liofit in Kamenz, zu Hause in der Wachstumsregion Dresden.





Interview: Peter Glumbick
Text: Peter Glumbick

  







Wachstumsregion Dresden
„Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.“